Mo Kenney in Germany

Neue Westfälische: Überragendes neues Album von Mo Kenney

photo-by-Paul-Wright_279-sm“In My Dreams”: Grandiose Pop-Kunst aus Kanada

By Thomas Klingebiel, Neue Westfälische

Bielefeld. Kanada hat die Welt des Erwachsenen-Pop schon reich beschenkt. Leonard Cohen, Gordon Lightfoot, Joni Mitchell, k. d. lang – um nur einige zu nennen. An außerordentlichen Talenten, die diese große Tradition fortsetzen, mangelt es nicht. Mo Kenney, eine Singer-Songwriterin aus der Provinz Nova Scotia, bewegt sich mit ihrem überwältigend gelungenen Album „In My Dreams“ trotz ihrer jungen Jahre schon ganz selbstverständlich im erlauchten Bezirk ihrer berühmten Landsleute. Eine faszinierende neue Popkünstlerin.

Das wird gleich im ersten Song deutlich. „I Faked It“ – das unverhohlene Bekenntnis, jemandem von Anfang an Gefühle nur vorgetäuscht zu haben, weil zuvor jemand anders einem selbst ähnlich übel mitgespielt hat. Die eingängige, dennoch ungewöhnliche Melodie steht in ihrer ruhigen Beiläufigkeit in aufreizendem Kontrast zur gesungenen Beichte. Der kraftvoll-reinen, vibratolosen Stimme traut man die Kaltblütigkeit, von der im Song die Rede ist, auch nicht recht zu. Aber das macht den typischen Mo-Kenney-Sound aus, der auch die übrigen Songs des Albums prägt: furchtlose Innenschau, gepaart mit betörendem melodischem Schmelz.

Das folgende „Take Me Outside“ ist die Kehrseite des hartgesottenen Openers: Schuldgefühle, Selbstvorwürfe, in Alkohol ertränkte Einsamkeit. „Take me outside and blow my fucking head off – with your eyes“ lauten die unschlagbar pointierten ersten Zeilen – wiederum in betörendsten Pop-Farben geboten. Zehn Songs, kein einziger Ausfall, ein sorgsam komponiertes Album. Folk-Schlichtheit („Field Song“), gebremster Indierock („Mountains to the Mess“) und radiotauglicher Hit-Kandidat („Telephones“, ein Coversong, zu dem es ein sehenswertes Video auf Youtube gibt) vertragen sich bestens auf dieser Platte, weil alles zu hundert Prozent Mo Kenney ist. Auch den berühmten langgezogenen Sehnsuchtston der Kanadierin k. d. lang, der Kenney in vielerlei Hinsicht gleicht, gibt diese Ausnahme-Stimme her.

Schon als Schülerin fiel die heute 25-Jährige dem kanadischen Rockstar Joel Plaskett bei einem Workshop auf. Plaskett produzierte 2012 ihr folkiges Debüt – ein Versprechen, das „In My Dreams“ nun grandios einlöst. Im Oktober kommt Mo Kenney nach Deutschland. So oder so – nicht verpassen.

Mo Kenney: „In My Dreams“, CD, New Scotland Records

Missy Magazine: „When I said it was forever, I was lying through my teeth“

Drei Fragen an die kanadische Musikerin Mo Kenney, die Lieder über Lügen schreibt.

Mo

By MissyRedaktion, Missy Magazine

Viel wissen wir von Mo Kenney nicht. Vor drei Jahren veröffentlichte sie ihr Debütalbum und ist seitdem als sehr ehrliche Sängerin bekannt. Der erste Song auf ihrem gerade erschienenen zweiten Album „In My Dreams“ heißt dementsprechend „I faked it“. Der Song über das Nie-Verliebt-Gewesen-Sein kommt ohne Dramatik aus und überzeugt stattdessen mit leicht resignierter Stimme über einer melancholischen, vorsichtig beschwingten Popmelodie.

Missy: Als musikalisches Vorbild nennen Sie immer wieder Elliott Smith, den Sie entdeckt haben, als sie „The Royal Tenenbaums“ von Wes Anderson geschaut haben, den Sie auch sehr lieben. Welcher Song des neuen Albums würde am besten zu einem Film von ihm passen?

Mo Kenney: Ich denke, keiner meiner Songs würde es je in einen Wes Anderson Film schaffen, aber wenn ich einen auswählen dürfte, wäre es „Pretty Things“.

Schreiben Sie Ihre Songs in einer bestimmten Stimmung? Einem bestimmten Ort?

Ich muss einfach inspiriert sein. Das ist wie mit jeder anderen Form von Kunst, denke ich. Manche Songs sind gut, aber viele der Lieder, die ich schreibe, mag ich am Ende gar nicht. Die Songs, die letztlich auf dem Album landen, sind eigentlich diejenigen, die mir am leichtesten vielen, zu schreiben. Wenn ich Songs schreibe, bin ich fast immer alleine zu Hause.

In „Telephones“ singen sie, dass sie lieber eine Fernsehserie schauen würden, als etwas anderes zu tun. Welche Serie schauen Sie selbst gerade?

Normalerweise schaue ich nicht viel fern, aber ich mochte „Mad Men“ wirklich gerne, als es noch lief. Ich denke, diese Zeit interessiert mich einfach.

Mo Kenney auf Tour:

30.09. – Ingolstadt, „Der Oktober ist eine Frau Festival“
04.10. – Berlin, Privatclub
05.10. – Hamburg, Nochtspeicher
06.10. – Leipzig, Moritzbastei
07.10. – Stuttgart, Cafe Galao
09.10. – Freiburg, Jazzhaus

“In My Dreams” is now available in the UK, Germany and Ireland!

“I’m coming back, and I can’t wait.” – Mo

 “…an album of grace, power and insight.” -Laura Thomas, Kemptation

“Folk, pop, scuzzy rock – she is clearly poised and ready to pounce.” -Tony Clayton-Lea, The Irish Times

“New Zealand has Lorde – the UK has Foxes – and the U.S. has Lana Del Rey……Canada’s response to this trend of strong female singer-songwriters is the irresistibly beautiful, Mo Kenney.” -Craig Roxburgh, Mind Equals Blown

Purchase “In My Dreams” here:
UK
Germany
Ireland

Tour Dates:

September 8th- Kinross, Scotland- The Green Hotel

September 9th- Glasgow, Scotland- Hug and Pint

September 10th- Edinburgh, Scotland- Sneaky Pete’s

September 12th- Sheffield, England- Cafe No.9

September 14th- Leeds, England- Gaslight Club/ Oporto Leeds

September 15th- Dalston, London- Servant Jazz Quarters

September 18th- Ballydehob, Ireland- Levis

September 19th- Clonakilty, Ireland- Clonakilty International Guitar Festival

September 20th- Clonakilty, Ireland- Clonakilty International Guitar Festival

September 22nd- Dublin, Ireland- Whelan’s

September 30th- Ingolstadt, Germany- Der Herbst ist eine Frau

October 4th- Berlin, Germany – Privatclub

October 5th- Hamburg, Germany- Nochtspeicher

October 6th- Leipzig, Germany- Moritzbastei

October 7th- Stuttgart, Germany- Cafe Galao

October 9th- Freiburg im Breisgau- Jazzhaus Freiburg

Musikblog: Mo Kenney – In My Dreams – das richtige Rezept

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By Laura Reichenbachs, Musikblog

Wo Mo Kenney mit ihrem Namen draufsteht, da ist auch Mo Kenney drin: verträumt-verspielter Singer-Songwriterpop at its best. Was banal klingen mag, ist umso ernster gemeint. Auf ihrem neuen Album „In My Dreams“ wirkt die 25-jährige Kanadierin aus dem Provinznest Bedford, Nova Scotia, unglaublich souverän, erzählt gelassen ihre Geschichten.

Kenney kehrt dabei ihr Innerstes nach außen, um ihre ganz persönlichen Befindlichkeiten im Leben auf den Prüfstand zu stellen und auf Allgemeingültigkeit abzuklopfen. Das klingt ziemlich einfühlsam, und das ist es auch. Bestes Beispiel dafür ist ihr Song „Untouchable“. Auf der aktuellen Platte hören wir eine selbstbewusste Sängerin, große Ausstrahlung, großes Herz.

Auf der Bühne sehen wir ein schlacksiges und schüchternes Mädchen, im Inneren ist da eine Frau mit Unsicherheiten: „my arms / my legs / my lips / we slip / my hands / my face / this place, unreachable / my heart, untouchable“. Verglichen mit ihrem gleichnamigen Debüt „Mo Kenney“ aus dem Jahr 2012, klingt „In My Dreams“ sehr viel abgerundeter, geerdeter und vor allem nach einer richtigen Band.

Während Mo Kenney mit ihrer Live-Band tourt, ist die Produktion einer Platte eine ganz intime Angelegenheit, die Kenney im kreativen Alleingang mit ihrem Produzenten Joel Plaskett einspielt. Dabei ist sie eine entschiedene Gegnerin von Stumpfsinnigkeit, der sich für sie im Techno der 1990-er Jahre widerspiegelt („Telephones“): „I have a strong heart but you play too rough / you listen to techno I hate that stuff / at people’s parties hey we don’t say much“.

Ein guter Song ist für Mo Kenney ein lyrischer Text, in dem sich der Zuhörer wiederfinden kann. Dann kommt die Melodie und der Flow von ganz allein. Songwriting à la Mo Kenney kommt ohne viel Schnickschnack aus, beschränkt sich auf Akustikgitarre und Gesang („Field Song“, „Wind Will Blow“), mal gehaucht oder gesummt, mal mit komplexeren Arrangements auf Band-Konzept-Niveau („I Faked It“, „Dancing“). Mo Kenneys Stimme fasziniert, hat Charakter, vermag uns eindringlich, aber unaufdringlich in ihren Bann zu ziehen.

Die zehn Songs auf „In My Dreams“ bestechen durch Klarheit, rauschen nicht ungehört vorbei. Manchmal scheint es so einfach zu sein, das Rezept für eine gelungene Singer-Songwriterplatte. Vielleicht liegt der Schlüssel zum Erfolg von Mo Kenney in dem Raum zwischen den Zeilen, der uns Zeit gibt durchzuatmen, unser eigenes Leben zu hinterfragen. Kenney zelebriert die Sinnsuche auf einem Feld voll Sonnenblumen unter blauem Himmel, Schwermütigkeit trifft auf den Sinn für das Schöne, eine Konstante in einer Welt voll von Irrsinn und Unbehagen. Mo Kenney, gerne mehr davon und auf Dauerschleife gewünscht.