Mo Kenney in Germany

Kulturnews: Uncooler als gedacht

In My Dreams coverMo Kenney verfeinert ihren Songwriterpop. Doch die 25-jährige Kanadierin fühlt sich weit weniger souverän, als die neuen Songs klingen.

Interview: Carsten Schrader, Kulturnews

Mo, ist der Song „Untouchable“ von deinem neuen Album ein Selbstporträt?
Mo Kenney: Jeder meiner Songs geht von einer persönlichen Befindlichkeit aus, doch in einem zweiten Schritt versuche ich, ihn allgemeingültiger auszugestalten. Vermutlich repräsentiert mich „Untouchable“ in bestimmten Situationen schon ganz gut. Das ist dann allerdings die Außen wahrnehmung, denn ich selbst nehme mich in erster Linie natürlich eher als sehr herzlichen Men schen wahr. Und ich kenne meine Unsicher heiten – die ich hinterder Maske der Un berührbaren aber wohl ganz gut verstecken kann.

Dann ist es auch nur ge-spielt, dass du dein an fäng liches Lampenfieber überwunden hast und aus dir mittlerweile eine sehr selbstbewusste Live musi kerin geworden ist?
Kenney: Das ist tatsächlich besser geworden. Indem ich allabendlich mit der Situation konfrontiert war, ist bei mir irgendwann die Erkenntnis angekommen, dass ich ohne große Katastrophen durch ein Konzert kommen kann. Nach längeren Pausen fange ich allerdings wieder bei Null an. Als ich nach den Aufnahmen zu „In my Dreams“ mit den neuen Songs auf der Bühne stand, war das die Hölle,und ich bin froh, dass ich mittlerweile meine Band habe, die mich in solchen Situationen
auffangen kann.

Verglichen mit dem Debüt, klingt „In my Dreams“ sehr viel ausproduzierter und ist eine richtige Bandplatte. Warum hast du deine Liveband nicht mit ins Studio genommen,
statt mit deinem Mentor Joel Plaskett alles im Alleingang einzuspielen?

Kenney: Ich wollte experimentierten und die Aus rich tung der neuen Songs mög lichst lange offen halten. So sehr ich meinen Musikern auf der Bühne auch vertraue, bin ich doch ein Kon trollfreak, der im kreativen Prozess die Verantwortung nicht teilen will. Wobei ich schon hoffe, dass ich da mit zunehmender Erfah rung auch cooler werde.

Auf elektronische Ele mente wird man wohl aber vergeblich warten, immer hin coverst du auf der neuen Platte den Mardeen-Song „Telephones“ mit der Textzeile „You listen to Techno, I hate that stuff“.
Kenney: Wer weiß, ich liebe James Blake. Bei der Textzeile denke ich immer an stumpfen 90er-Techno – und das schließe ich auch wirklich für mich aus.

In my Dreams erscheint am 4. September.

Foto: Paul Wright

TOUR
30. 9. Ingolstadt
4. 10. Berlin
5. 10. Hamburg
6. 10. Leipzig
7. 10. Stuttgart
9. 10. Freiburg